19 Monate Weltreise – Persönliche Reflektionen – Teil 2

Von einem der auszog, sich selbst im Spiegel der grossen weiten Welt zu entdecken.

Gerhard Gante (c) GerHeartsWorld
Gerhard Gante (c) GerHeartsWorld

Die ehemalige deutsche Kolonie Samoa war ganz nett, würde die weite Reise von Europa aus jedoch nicht rechtfertigen. Aber da es ohnehin eine Zwischenlandung auf dem Weg nach Hawaii war, dachte ich mir ich könnte auch eine Woche dort verbringen. Immerhin habe ich einige spannende Abenteuer dort erlebt…

Auf Maui erlebte wie die amerikanische Luxustourismusindustrie tickt und erschrak zunächst darüber wie krass der american way of life die ursprüngliche hawaiianische Kultur verdrängt hat. Immerhin gibt es dort eine lebendige alternative Szene, die etwas vom ehemaligen Aloha-Spirit adaptiert hat. Ich hatte ein nettes Apartment in einer kleinen Gemeinschaft und bekam tolle Kontakte zu Menschen die dort leben. Landschaftlich gibt es schon sehr schöne Ecken – auch auf Kauai, aber die hawaiianischen Inseln haben mich insgesamt ziemlich an die Kanaren erinnert – und die sind deutlich billiger und von Europa aus näher.

(c) GerHeartsWorld
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Noch krasser war dann das Ankommen in Los Angeles mit Übernachtung in einem Hostel direkt am Hollywood Boulevard – American showbuisness pur! Die ganze amerikanische Westküste bis hoch nach Kanada hat mir nicht besonders gefallen. Nicht dass es keine ansprechenden Landschaften gäbe, aber mit den Menschen und den USA bin ich einfach nicht richtig warm geworden. Einzige Ausnahme: Das alternative Heilzentrum Harbin Hot Springs. Das es mir dort so gut gefallen hat, mag zum Teil auch daran liegen, dass ich mich heftig verliebt habe. Dass das Zentrum wenig später einem verheerenden Waldbrand zum Opfer gefallen ist und die Liebesgeschichte für mich mit einem gebrochenen Herzen endete, passt dann irgendwie auch zusammen.

Als lonesome cowboy fuhr ich dann wochenlang die endlosen Highways entlang, zeltete in der Wildnis, sah Bären aus nächster Nähe und legte bis nach Alaska und wieder runter nach Calgary viele Tausende Kilometer zurück. Im Herzen der kanadischen Rockies wurde ich von den Auswirkungen der riesigen Waldbrände wieder eingeholt.  Und ich merkte wieder, dass die schöne Landschaft alleine nicht zufrieden stellt, sondern dass es auf das Menschliche ankommt. Und gerade davon war ich erst mal bitter enttäuscht worden und musste das erst mal verdauen. Eine der einsamsten und zugleich auch teuersten Abschnitte meiner Reise. Anfang September kehrte ich dem beginnenden kanadischen Herbst den Rücken und machte mich hoffnungsvoll auf in den südamerikanischen Frühling. Die ursprüngliche Idee auf dem Landweg über Mittelamerika runter zu fahren verwarf ich, da mich dort die Regenzeit voll erwischt hätte.

(c) GerHeartsWorld
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Das Ankommen in Peru war dann wie ein Nachhausekommen, ein Aufatmen. Und ich fand nette Menschen, mit denen ich guten Austausch und Inspirationen hatte. Ausserdem fühlte ich mich inspiriert einen radikalen Schwenk hin zu gesunder Ernährung zu machen. Auch als Vorbereitung zu diversen schamanischen Ritualen die in ihrer visionären Heilkraft dann auch ein weiteres Highlight der Reise waren. Der Amazonas-Dschungel hat mich in seiner Artenvielfalt und Abenteuerlichkeit mal wieder sehr beindruckt und dass es auf Reisen oft ganz anders als geplant laufen kann, habe ich erfahren als ich meinen 50. Geburtstag auf dem Amazonas feiern durfte.

Bolivien war von der Freundlichkeit und Offenheit der Menschen her nicht einladend länger zu bleiben, aber die beiden Höhepunkte Isla del Sol im Titicacasee und Salar der Uyuni haben sich wirklich gelohnt und das nicht nur in touristischer Hinsicht sondern auch durch deren spezielle Magie.

In Argentinien habe ich mal ein halbes Jahr gelebt und war auch sonst einige Male dort, so dass ich den ganzen Dezember über Freunde und Verwandte besucht habe. Und das war schön! Mitzubekommen wie sehr der Regierungswechsel die Menschen polarisiert war interessant – von Politikverdrossenheit keine Spur! Weihnachten und Sylvester im Hochsommer zu feiern war wirklich mal etwas anderes, nichts von stille Nacht, heilige Nacht. Apropos Lärm: Offenbar waren die Peronisten wirtschaftlich nicht so unervolkreich wie es die Gegner gerne behaupten, denn seit ich vor 10 Jahren das letzte Mal dort war, hat sich die Autodichte gefühlt verzehnfacht!

An Neujahr 2016 habe ich mich dann Richtung Patagonien in Bewegung gesetzt und bin zwar auf tolle Landschaften gestossen, die aber im Hauptferienmonat Januar zu teuer und überlaufen waren, so dass ich bald die Flucht ergriffen habe nach Chile und dort zunächst eine entspannte Zeit hatte, da man dort hauptsächlich erst im Februar Urlaub macht. Gleich der erste Ort hinter der Grenze mit dem schönen Namen Futaleufu war dann gleich mein Patagonien Highlight und das lag nicht nur am Rafting im fünften Schwierigkeitsgrad. Mein Versuch weiter auf der carretera austral nach Süden vorzudringen scheiterte an dünnen Transportmöglichkeiten und zu viel Tramperkonkurrenz. Ich habe noch etwas auf der Liste, wohin ich zurück kommen möchte, dann aber mit eigenem Fahrzeug und Campingausrüstung, denn Patagonien erschliesst sich durch das freie Erkunden der Wildnis. Immerhin habe ich in Cochamo noch eine wunderbar usrpüngliche Alternative zum Yosemite Nationalpark entdeckt und eine sehr gute Zeit gehabt. Als dann die Sommerferiensaision einsetzte bin ich nach Santiago de Chile zu Verwandten geflüchtet und habe mich da einquartiert, bis ich nach NIcaragua geflogen bin.

Touristische Ambitionen hatte ich in Zentralamerika keine mehr, aber ich habe die Community mit dem besten und schlüssigsten Konzept meiner gesamten Reise kennen lernen dürfen: Inanitah.

Was bleibt von dem, was ich mir am Beginne der Reise vorgenommen hatte?

  • Ich habe viel Zeit in wilder Natur verbracht, habe meditiert, bin gewandert, habe ausgespannt, neue Energie getankt und mich wieder mehr mit meiner inneren Natur verbunden.
  • Zugang zu meiner Intuition habe ich bisweilen gefunden, oft aber auch nicht und musste lange suchen, bis ich wieder im flow war und sich das Gefühl einstellte zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Die Einsamkeit hat immer mal wieder alles überschattet, so dass ich erst nährende, tiefe Kontakte brauchte, damit sich der innere Nebel lichtete.
  • Die glücklichsten Momente waren die, wo ich Menschen aus einem Gefühl der Lebendigkeit und Fülle heraus begegnet bin – und auch die wo ich allein an magischen Orten in der Natur war
  • Interessante neue Tätigkeiten habe ich nur wenige ausprobiert. Aber in unzähligen Begegnungen mit Menschen und dem Lauschen ihrer Lebenspassionen, habe ich viele Anregungen bekommen und Lust bekommen einiges davon selber umzusetzen
  • Ich war viel in ökosozialen Gemeinschaftsprojekten, auf Festivals und Workshops und bin klarer geworden, wie die eigene Gemeinschaft aussehen soll, der ich mich anschliesse oder die ich neugründen möchte. Ich suche noch nach Gleichgesinnten, die sich mit meiner Gemeinschaftsvision identifizieren können. und zusammen zeitnah diese Vision manifestieren möchten.

Seit meiner Rückkehr nach Deutschland hat sich mein Leben wieder enorm verdichtet. Der Tod meines Vaters, Suche nach Wohnort und Arbeits, das Netzwerken in neuen und alten Beziehungen…und vieles mehr. Hier erfahrt ihr, wie es mir geht und wie ich mir mein Leben nach der grossen Reise gerade wieder neu zusammen baue.

Schreibt mir einfach, wenn ihr Lust habt mit mir in Kontakt zu treten. Ich freue mich über lebendigen Austausch!


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