Andere Länder, andere Sitten

Ich gewöhnte mich schnell ein und obwohl ich mich manchmal einsam fühlte, mal mehr mal weniger, genoss ich es doch mehr, als ich es mir anfangs erhofft hatte.

Ein paar Dinge über Südafrika. In Knysna oder auch ganz allgemein. Was mich wohl am meisten beeindruckt – Achtung, Klischee – ist die Lebensfreude! Wie schaffen die Menschen das? Wo es ihnen doch so viel schlechter geht, als uns ach so „reichen“ Menschen in Europa. Wenn ich unsere Lebensfreude vergleiche, fühle ich mich überhaupt nicht reich, sondern eher arm. Vielleicht weil sie die einfachen und alltäglichen Sachen schätzen? Im Hier und Jetzt leben? Ich habe keine Ahnung und habe in dieser Zeit sehr viel über das Leben und die Menschen gelernt und doch ist es in Deutschland so unfassbar schwer, diese neu gewonnene Mentalität auszuleben, ohne als Freak abgestempelt zu werden. Vielleicht kennst du das Gefühl?

Es wurde für mich ganz alltäglich, dass mich Affen zur Arbeit begleiteten, mich Frösche nachts nicht schlafen ließen (das Gequake hörte nie auf….) und riesige Vögel im Garten morgens rumturnten und unsere neugierigen Gäste nach draußen lockten.

Afrikaner sind sehr religiös, deswegen habe ich immer viel „Ärger“  („do you know what you are saying?“) bekommen, sobald ich die uns wohlbekannte Formulierung „Oh mein Gott!” verwendete, sei es auch nur aus Reflex. Das war einer der Dinge, die ich mir schnell abgewöhnen musste. Und dass das „Braai“ hier auch einer Religion gleich kommt. Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Fleisch gegessen, wie in diesen 9 Monaten. Und noch nie so viel Leckeres! Und Sie lieben Zucker – es ist einfach in jedem Essen, in jedem Drink und dies habe ich auch auf der Waage bemerkt. Manchmal bin ich immer noch überrascht, nicht als Diabetiker zurückgekehrt zu sein.

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Start vom Braai (c) Nathalie Richter

Ein Tipp vorab: Solltest du jemals zum „Grillen“ in Südafrika bei Einheimischen eingeladen sein – bitte esse etwas davor! Das ist nicht wie uns in Deutschland. Wenn du ankommst, gibt es, wenn du Glück hast, 3-4 Stunden danach was zum Essen. Davor wird sich unterhalten und vo rallem sehr, sehr viel getrunken.  Oft gibt es das Grillfleisch erst zum Mitternacht Snack 😉 Das ist eine große Traditionssache – der Teil vor dem Braai, wo alle zusammen kommen, macht am meisten Spaß. Bloß nicht, wenn man mit leeren Magen kommt – ich spreche aus eigener Erfahrung.

In Knysna und Umgebung gibt es ein paar schöne Dinge, die man erleben kann, u.a. den Knysna Elefant Park, eine Autostunde entfernt.  Für dich vielleicht zu touristisch, aber ich finde es eine Erfahrung wert! Live einen Elefanten anzufassen (auch die Zunge) und die Haut zu berühren und zu streicheln ist einfach ein tolles Erlebnis. Außerdem Plettenberg Bay, einen kleinen Nachbarschaftsort, wo es auch tolle Plätze zum Feiern gibt und ein Strand nach dem anderen, dich anlacht und zum Vergnügen einlädt. Es gibt auch einen Golfplatz, dazu noch Leisure Island und Thesen Island.

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Thesen Island (c) Nathalie Richter

Auf Thesen Island gibt es tolle Restaurants und das beste Sushi, was man sich vorstellen kann – schnell wurde ich ein Stammgast und ich habe bisher kaum besseres Sushi gegessen, als dort. Für zukünftige Besuche auf jeden Fall sehr sehenswert.

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Leisure Island (c) Nathalie Richter

Leisure Island ist eine ruhige Gegend, wo sich die wohlhabenden Leute von Knysna aufhalten und ihre Ferienhäuser haben (und nur ein Cafe!) – jedoch gibt es kaum ein schöneres Fleckchen, als einen Spaziergang an der Lagune zu machen und die Füße ins Wasser zu tauchen. Obwohl Knysna bekannt für seine Austern ist (es gibt sogar ein Oysterfestival), muss ich zugeben, dass man mich in fast einen Jahr, nie dazu gebracht hat, es auch nur zu probieren. Möchtest du es für mich testen?

Knysna ist übrigens auch toll zum Fischen, Tauchen, Surfen und Wandern. Das Sportlerherz ist hier gut bedient. Jedoch ist auch Knysna nicht von der Armut verschont geblieben und neben den schönsten Villen wartet oft schon mal das nächste Township, wo der schöne Schein zerstört wird.  Arm und Reich direkt nebeneinander, eine Sache die mich immer noch sehr mitnimmt und ich mich unglaublich hilfslos und auch oftmals schlecht gefühlt habe. Schließlich habe ich im besseren Ortssteil gewohnt.

BABOONS – NOT REALLY MY BEST FRIEND

Mein Alltag wurde eines Tages auf sehr „afrikanische“ Weise (wie auch sonst?) unterbrochen. Von Baboons! Nicht die süßen kleinen Äffchen, die man am liebsten einmal streicheln würde, nein, riesige Viecher, die schlau genug sind, in Häuser einzubrechen und Essen zu klauen (Mist, die Avocado war gestern erst gekauft worden….) Die machen Türen und Schubladen auf, als hätten sie noch nie was anderes getan.  Planlos, wie ich einmal war, bin ich aus mein Zimmer in die Küche

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Muffin (c) Nathalie Richter

gelaufen, neugierig, woher denn dieser Lärm kommt… Und wurde von einer ganzen Herde Baboons angestarrt.  Fünf lange Sekunden habe ich gebraucht, bis ich panisch wieder in mein Zimmer gerannt bin, die Tür geschlossen und verriegelt habe. Eigentlich total sinnlos, aber reflexartig. Diese Tiere könnten Sie mir einfach eintreten und ich danke Gott, dass sie es nicht versucht haben. Panisch rief ich meine Arbeitskollegin an und wir verbrachten den Nachmittag damit, das Chaos zu beseitigen, was angerichtet wurde. Wenn ich abends an der Bar stand, und mich unsere Gäste fragten „ob man denn aus dem Auto steigen könnte, um diese Tiere zu fotografieren“ – ich denke, du kannst dir meine Antwort denken! Und vor allem hat es nochmal das ganze Personal daran erinnert, nicht die Türen offen zu lassen.

Übrigens Menschen sind komisch – kaum sind sie von Zuhause weg, wo Sie alle kennen – öffnen Sie sich total. Ich glaube, ich kenne von 80% unserer Gäste die Lebensgeschichte und ich finde es toll! Sobald das Thema „Nein, bitte nicht aus dem Auto steigen und Baboons fotografieren!“ beendet war,  kamen so viele tolle Gespräche ins Laufen, dass ich am nächsten Morgen inspiriert und voller Ideen aufgewacht bin. Oder wenn ein süßer Norweger schon so tief ins Glas geschaut hat, seine Gitarre hervorholt, dir ein Lied vorspielt und um ein Uhr nachts anfangen will, mit dir Billard zu spielen. You only live once, right?


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