Gastautor Gerhard stellt sich vor…

HALLO IHR QUERDENKER, ABENTEURER, INDIVIDUALISTEN

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Gerhard Gante (c) GerHeartsWorld.com

Mein Name ist Gerhard Gante und ich möchte Euch einladen mich hier ein Stück meines Lebensweges zu begleiten. Was hat mich dazu gebracht meinen sicheren Job als Ingenieur nach 18 Jahren zu kündigen, meine Habseligkeiten im Freundeskreis zu verteilen und erst mal auf unbestimmte Zeit auf Reisen zu gehen? Midlife-Crisis? Plötzlicher Verlust des deutschen Sicherheitsdenkens? Eine unbestimmte Sehnsucht alle Aspekte des menschlichen Lebens ohne Netz und doppelten Boden zu erkunden?

OHNE DICH WÄRE ICH EIN ANDERER

Was für eine Liebesgeschichte gilt, trifft für mich auch das Reisen zu. Mich berührbar machen, alle Sinne öffnen, neugierig das aufregend Andere erforschen, verrückte neue Dinge probieren, etwas riskieren und zulassen, dass ich dadurch wachse und meinen Horizont erweitere. Und wenn die Liebe in mir weiter lebt, auch wenn sie sich vielleicht inzwischen an eine andere Person richtet, wenn ich ein Land verlassen habe, um nach einer “Grenzerfahrung” ein neues zu erkunden, dankbar sagen zu können, dass ich ohne diese Begegnung ein anderer wäre. Menschen, die Reisen detailliert im Voraus planen, am Urlaubsort deutsches Essen und deutsches Bier erwarten, sich nörgelnd bei kleinsten Abweichungen vom Geplanten beschweren und schon vor dem Frühstück ihre Liege am Pool reservieren, blättern besser weiter.

ICH BIN DANN MAL WEG

Schon als Kind hat es mir gefallen mit dem Fahrrad einfach loszufahren und die bekannten Gefilde zu verlassen. Jenes Kribbeln Dinge zum ersten Mal zu erfahren, war einfach stärker als das Bewusstsein um die elterliche Sorge. Mit 15 begann ich per Autostopp meinen Radius zu erweitern und schon bald reiste ich auf dem Daumen durch ganz Westeuropa. Mit einem Freund schaffte ich es bis nach England, wobei die Fähre das Teuerste der Reise war. Ein Bett im Kornfeld, eine Woche lang baked beans und ab und zu nette Einladungen… In Calais hatte mein Freund Heimweh und ich hielt den Daumen weiter Richtung Süden, bis ich irgendwann mit einem holländischen Fahrer die Grenze nach Spanien überquerte. Ich weiß noch wie der Grenzer irritiert schaute als wir die Ausweise zeigten: Vier verschiedene Nationalitäten, von denen keine französisch oder spanisch war.

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Sprachen machten mir in der Schule Spaß und fielen mir leicht. Und ich lernte auf Reisen, dass sie enorm nützlich sind. Mit Leistungskursen Englisch und Französisch machte ich Abitur, kaufte mir ein Motorrad und machte mich auf Richtung Griechenland. Dort ließ ich mich treiben, ich hatte erstmals wirklich lange Zeit und genoss meine Freiheit. Als ich irgendwann einen Wegweiser sah, der Istanbul in weniger als 500 km ausschilderte, folgte ich diesem spontan und traf vollkommen unvorbereitet auf orientalische Lebensart. Kein Reiseführer, kein Internet…terra incógnita. Als ich nach einem Campingplatz fragte, war ich auf einmal umringt von Menschen, die sich fast darum stritten, wer mich zu sich nach Hause einladen durfte: Was für eine Gastfreundschaft!

Nach dem Zivildienst machte ich mich mit dem Motorrad auf in Richtung Sahara: Ich hatte etliche Monate Zeit bevor ich mit dem Studium beginnen konnte. Als ich im Februar über den Brenner fuhr war die Straße schneebedeckt, in der Toskana fror ich im Zelt dermaßen, dass ich immer wieder meinen Benzinkocher anwarf, aber in Sizilien war schon ein Frühlingshauch zu spüren und ab Tunis war dann auf einmal Sommer. Spätestens ab der algerischen Grenze tauchte ich in fremde Szenerien aus 1001 Nacht ein – alles war aufregend anders als in Europa. Kurz vor der Grenze nach Mali drehte ich langsam Richtung Norden: Ich war mit einem normalen Straßenmotorrad unterwegs, dessen Gepäckträger mit den Wellblechpisten zunehmend Probleme hatte und trotz mehrfachem Schweißen immer wieder brach. Ich schaffte es die Grenze nach Marokko zu überqueren, die eigentlich offiziell geschlossen war. Nach stundenlangem Minztee trinken und ausgiebigen Gesprächen über Gott und die Welt, ließen mich die Grenzer passieren, mit freundlichem Winken und ganz ohne Bakschisch. Auf der Fähre nach Spanien erklang Flamenco-Musik, die mir nach drei Monaten Afrika heimatlich vor kam – ich war wieder im vertrauten Europa.

DER SOGENANNTE ERNST DES LEBENS

Bei aller Abenteuerlust steckte in mir doch auch ein großes Sicherheits- und Leistungsdenken. Beruflich etwas erreichen, materiellen Wohlstand erlangen, intellektuelle Herausforderungen meistern, vielleicht auch ein bisschen die Welt retten. Ich entschied mich für ein Maschinenbaustudium mit Schwerpunkt Technologien zur Energieeinsparung und regenerativen Energien. In den Semesterferien reiste ich viel, vor allem in Asien und Südamerika. Ich absolvierte ein Praxissemester in Argentinien und meine Diplomarbeit im Bereich Solartechnik machte ich am “Institut für Agrartechnik in den Tropen und Subtropen.”

Der Übergang ins Berufsleben fiel mir nicht leicht. Zum einen war Anfang der 90er Jahre von Energiewende in Deutschland noch nichts zu spüren und es war schwer überhaupt einen ersten Job zu bekommen. Und zum anderen haderte ich mit dem Gedanken mit einer Festanstellung meine Freiheit und Selbstbestimmung an der Stempeluhr abzugeben.

Schon bald fand ich jedoch eine Anstellung in einer Firma, deren Teamgeist und Zusammenhalt mich ansteckte. 10 Jahre Vertriebsinnendienst, dann 7 Monate Pionierarbeit in Mexiko beim Aufbau einer neuen Niederlassung. Karriereleiter nach oben: Leitung des Vertriebsinnendienstes für 5 Jahre, dann Projekt- und Changemanagement. Koordination großer strategischer Projekte – weltweit! Meine durch die Reisen sehr lange Studienzeit, die erstmal wie ein Karrierehindernis aussah, entpuppte sich als das genaue Gegenteil.

DIE WENDE

Lange Jahre war das strategische Ziel der Firma Globalisierung, internationale Synergien ausschöpfen, Wissenstransfer. Das war meine Welt! Ich war auch immer wieder Teil des Managements und es machte Spaß am großen Rad zu drehen und Dinge mitzugestalten.

Doch dann kam über Nacht die große Revolution der konservativen Kräfte und auf einmal waren wir statt eines internationales Konzerns wieder nur ein bayerisch-mittelständisches Unternehmen. Ich hoffte, wie viele andere meines Netzwerkes, ebenfalls mit einer guten Abfindung hinaus komplimentiert zu werden, aber offenbar war ich in zu wichtigen Projekten involviert oder doch ein zu kleines Licht. Ich hielt jedenfalls noch zwei Jahre durch, versuchte trotz mangelnden Rückhaltes von oben und extremer Widerstände von unten noch meine Projekte so gut wie möglich zu einem Abschluss zu bringen, aber es war klar, dass ich unter diesen Voraussetzungen keine neuen Projekte übernehmen wollte. Also reichte ich nach fast 18 Jahren in dieser Firma die Kündigung ein.

Und dann folgte eines aufs andere: Einen Tag nachdem ich gekündigt hatte, gab mir meine langjährige Partnerin den Laufpass, was neben Traurigkeit auch ein Gefühl der Erleichterung auslöste, denn es war schon lange recht kompliziert gewesen. Und dann löste sich in der Folge auch die Haus-WG auf, in der wir zu fünft gelebt hatten.

Anstatt dem Verlorenen zu sehr nachzutrauern, machte ich mich auf das Ganze als ungeheure Chance zu sehen: Wenn mich das Leben auf einen Schlag derart frei setzt, dann hat es sicherlich noch etwas spannendes Neues mit mir vor. Und so machte ich mich auf mit einem One-Way-Ticket nach Indien, auf unbestimmte Zeit und mit unbestimmtem Ausgang – mit wachen Sinnen, wohin mich der “Wind of Change” wohl tragen wird. Auf Travelastic und in meinem Reisetagebuch könnt ihr meine Reise um die Welt durch Freud und Leid verfolgen.

Mit sommerlichen Grüßen aus Argentinien

Gerhard


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