Im Interview: Gerhard zu “Erzähl mir wer Du bist”

Travelastic Gastautor Gerhard erzählt über sich im Interview zum Thema “Erzähl mir wer du bist!”. Wenn du mehr über Gerhard erfahren willst, dann lies weiter.

Francesca: Was sind Deine herausstechenden Eigenschaften?

Gastautor Gerhard Gant
Gerhard Gant (c) GerHeartsWorld

Gerhard: Abenteuerlustig, neugierig, Spass an Veränderungen, Langer Atem um Dinge konsequent bis zum Ende auch gegen Widerstände durchziehen können, Starker Wille (wenn ich mir erst mal was in den Kopf gesetzt habe…), Realitätssinn, freiheitsliebend und Nähe bedürftig, eher Generalist als Spezialist, breites Interessengebiet, unkonventionell, Individualist und Gemeinschaftsmensch, Sinnsucher und Meditierender. Tiefgang statt Oberflächlichkeit. Organisationstalent und die Fähigkeiten Menschen zusammen bringen zu können. Mein Sternzeichen ist Skorpion mit Aszendent Steinbock, falls das jemandem was sagt…

Francesca: Ich bin auch Steinbock – das passt ja.

Francesca: In welchen Städten / Ländern / Kontinenten hast Du gelebt?

Gerhard: Da muss ich zuerst mal den Begriff “gelebt” definieren in Abgrenzung zum bloßen Reisen. An einem Ort zu leben charakterisiere ich als einen Aufenthalt von mindestens 3 Monaten mit Eingebunden sein in ein Alltagsleben mit einer regelmäßigen Tätigkeit und dem Aufbau von Beziehungen zu Einheimischen.
Hannover (frühe Kindheit), Darmstadt (Schulzeit), Südschwarzwald (Zivildienst), Stuttgart (Studium und erster Job), Salta in Argentinien (5 Monate Auslandspraktikum), München (meine Wahlheimat), Monterrey in Mexico (7 Monate Expattätigkeit für meinen langjährigen Münchner Arbeitgeber).
Die Liste der Länder, die ich bereist habe umfasst alle Kontinente und mehr als die Hälfte aller Staaten, die auf dem Planeten existieren.
Grob geschätzt habe ich mich in einzelnen Regionen alles zusammen gerechnet etwa so lange aufgehalten:
Europa (außerhalb Deutschlands): 1,5 Jahre
Afrika: 3 Monate
Indien und Sri Lanka: 7 Monate
Südostasien: 6 Monate
Australien und Ozeanien: 6 Monate
USA und Kanada: 6 Monate
Lateinamerika: 2,5 Jahre

Francesca: Für mich passt deine Definition von “an einem Ort leben” sehr gut.

Francesca: Welches waren wichtige Ereignisse in Deinem Leben?

Gerhard: Mein jahrelanges Engagement als Jugendlicher im Kampf gegen die Startbahn West (Hüttendorf am Frankfurter Flughafen) und mein daraus begründetes Misstrauen gegen staatliche Organisationsformen und das Vertrauen Dinge lieber selber in die Hand zu nehmen.
Als ich mit 15 das erste Mal durch Europa getrampt bin, mit 16 das erste Mal in den USA war, mit 21 alleine mit dem Motorrad durch die Sahara gefahren bin und mit Mitte 20 das erste Mal Südamerika und Südostasien bereist habe.
Der erfolgreiche Abschluss meines Maschinenbau-studiums.
Meine 18 jährige Karriere bei einem global aufgestellten Mittelständler aus München, zunächst als Vertriebsingenieur, dann als Pionier einer neuen Unternehmung in Mexiko, als Vertriebs-innendienstleiter mit Personalverantwortung für 25 Mitarbeiter, als Prozessoptimierer, Leiter von großen strategischen Projekten, Personalcoach, Changemanager und Organisationsentwickler.
Mein erstes Selbsterfahrungsseminar im Alter von 17 Jahren und die vielen Jahrzehnte kontinuierlicher Arbeit an der eigenen Persönlichkeit in unzähligen Workshops und Ausbildungen.
Die Entdeckung der neuen Warmwassertherapien (Wassertanzen, Entspannung, Meditation) und deren 20 jährige Erforschung als Teilnehmer und auch als Ko-Leiter von Gruppen und Seminaren.
Mein abwechslungsreiches Liebesleben und meine tiefe Dankbarkeit an die 10 Partnerinnen, die sich auf eine längere Beziehung mit mir eingelassen haben.
Mein Engagement in verschiedenen öko-sozialen Gemeinschaftsprojekten und mit Mitte 40 mein erstes praktisches Erproben neuer Formen des gemeinschaftlichen Wohnens und Teilens als Alternative zur Konsumgesellschaft.
Nach 4 Jahren der Zusammenbruch der Lebensgemeinschaft, die Kündigung meines Jobs und der Aufbruch zu einer Weltreise auf unbestimmte Zeit mit unbestimmtem Ausgang.

Francesca: Was ist Dein Rezept zum Glücklich sein?

Gerhard: Die richtige Mischung aus kontinuierlichen und verlässlichen Eingebunden seins in ein soziales Beziehungsnetzwerk und dem Raum für Freiheit, Abenteuer und der Entdeckung von immer wieder Neuem.
Das grösste Glück – und auch die grösste Herausforderung – liegt für mich in einer erfüllenden Liebesbeziehung.
Das Erfolgserlebnis Dinge selber gestalten zu können und Neues zu kreieren.

Francesca: Was entfaltet bei Dir große Emotionen?

Gerhard: Die meditative Verbundenheit von Sexualität, Liebe und Spiritualität.
No-Mind-Zustände, bei denen die Kontrolle des Denkes Urlaub macht und 100 % Platz für das Fühlen und All-Eins-Sein ist: In der Liebe, beim Tanzen, im Wasser, beim Meditieren, in der Natur, beim Outdoorsport…

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Francesca: Wie sieht Dein persönlicher Lebensentwurf für Deine Zukunft aus?

Gerhard: Nach zwei Jahren um die Welt ziehen, zwei Jahren Sommer, zwei Jahren ohne festen Wohnsitz und mit ständig neuen Eindrücken wird es 2016 Zeit mich wieder niederzulassen.

Neben dem ganzen Reisen ist es wichtig für mich wieder eine Heimatbasis zu haben. Bis mich der nächste Reisehunger überkommt…

Meine Prio wird nicht mehr die Arbeit sein, sondern der Ort und die Menschen. Ich möchte mich irgendwo auf der Welt einem ökosozialen Gemeinschaftsprojekt anschliessen oder eines mitgründen. Dabei vertraue ich darauf, dass ich die materiellen Notwendigkeiten dann mit der Zeit auch irgendwie gebacken bekomme.

Die Herausforderung unserer Zeit ist der Postmaterialismus und der Ausstieg aus der Ersatzbefriedigung durch Konsum. Der Weg geht hin zu nachhaltigem Lebensstil und funktionierenden Gemeinschaften im Einklang mit der Natur. You may say I am a dreamer, but I am not the only one…

Francesca: Welchen Einfluss hat Deine Umgebung auf Deinen Charakter und Dein Handeln?

Gerhard: Ich bin ein soziales Wesen und meine Umgebung prägt und beeinflusst mich in vielfältiger Art und Weise…und umgekehrt. Ich bin davon überzeugt, dass alles mit allem zusammen hängt. Mir fällt der Refrain eines Songs ein: And I go my way, and I do my things, and I am connected to all beings.

Francesca: Lebensstil – Wie gestaltest Du Dein Leben?

Gerhard: Welche Lebensstil-Schublade darfs denn sein? Der sicherheitsorientierte deutsche Ingenieur? Der Öko-Revoluzzer? Der Möchtegern-Hippie und Freizeit-Anarcho? Der Bewohner einer Designer-Villa mit Garten und Pool? Der ohne festen Wohnsitz vagabundierende und monatelang nur im Zelt lebende? Der Veganer, der nur im Bioladen einkauft? Der Fastfood-Junkie, der sich nachts um halb zwei noch die fetten Burger und Pommes reinhaut? Der Opern-Besucher oder der freakige Openair-Festival-Gast? Ich bin dies alles und ich liebe diese Palette der (scheinbaren) Gegensätze. Was ich jedoch bei allem stets im Blick habe ist eine ausgewogene Risikoanalyse und das Bewusstsein um meine finanziellen Möglichkeiten. Das heisst nicht, dass ich keine Risiken eingehe – im Gegenteil – aber ich weiss in etwa auf was ich mich einlasse und bin vorbereitet, so dass ich nicht blind in existenziell bedrohliche Situationen hinein stolpere.

Gerhard, vielen Dank für deine Zeit und das tolle Interview zum Thema “Erzähl mir wer du bist!”. Ich glaube, unsere Travelastic Leser können gespannt auf deine nächsten Gastbeiträge sein.


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