Im Interview: Jessica von Yummy Travel zu “Nachhaltiges Reisen?!”

Du liebst es zu Reisen, neues zu entdecken, die Schönheit der Tier- und Pflanzenwelt zu bestaunen sowie Sightseeing Touren und das Großstadtleben zu genießen? Das ist großartig! Denn auf Reisen kannst du all das und noch mehr erleben!

Reisen und Tourismus kann allerdings auch negative Folgen haben. Fast überall, wo sich viele Touristen aus aller Welt aufhalten gibt es viel zu viel Müll, die Tier- und Pflanzenwelt wird zerstört und die Einheimischen müssen hinterher räumen und dafür bezahlen – in vielerlei Hinsicht.

Was tust du für nachhaltiges Reisen und welche Tipps willst du anderen Reisenden mit auf den Weg geben? Ist das überhaupt ein Thema für dich oder sagst du, ich zahl für meinen Urlaub, also kann ich machen was ich will? Wie intensiv hast du dich bislang mit dem Thema “Nachhaltiges Reisen?!” beschäftigt?

Bloggerin Jessica von YummyTravel hat viele Erfahrungen gesammelt und hilfreiche Tipps für Dich zum Thema nachhaltiges Reisen.

Francesca: Wie definierst Du “Nachhaltiges Reisen”?

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Jessica (c) YummyTravel.de

Jessica: Reisen ist ein wichtiger und fester Bestandteil meines Lebens. Mein Leben gestalte ich auch sehr nachhaltig und daher liegt es nahe diesen Teil ebenso zu behandeln. Nachhaltiges Reisen bedeutet es für mich vor allem die Natur zu respektieren und mit ihr in einem Einklang zu leben.

Francesca: Wie wichtig ist das Thema für Dich?

Jessica: Absolut wichtig. Wir sind dafür verantwortlich, dass unsere Umwelt unbeschadet und respektvoll behandelt wird. Leider haben wir, mit dem Privileg zu reisen und die Welt auf die jeweils eigene Art zu entdecken dieses Pflichtbewusstsein teilweise verloren. Wir müssen uns bewusst werden, welchen Reichtum wir besitzen, indem wir überhaupt reisen dürfen. Die Welt ändert sich in jeder Sekunde und wir können dazu beitragen, dass diese Veränderung positiv verlaufen kann.

Francesca: Wie viel Zeit und Geld bist Du bereit für nachhaltiges reisen zu investieren?

Jessica: Nachhaltiger Tourismus, muss gar nicht mal so teuer sein. Selbst, wenn das Budget nicht immer passt und reduziert wird, können wir viel für die Umwelt tun. Es fängt schon bei Kleinigkeiten an, wie dem reduzieren von Plastikmüll oder dem Unterstützen von Lokalen Angeboten. Märkte sind unheimlich spannend und offenbaren die Vielfalt die das jeweilige Land zu bieten hat. Deine Cola muss doch nicht um die halbe Welt geflogen sein um dir eine Erfrischung zu schaffen oder? Wie wäre es mit einer leckeren Limonade oder einer frischen Kokosnuss?

Francesca: Wie passt für Dich günstiges und nachhaltiges Reisen zusammen? Geht das?

Jessica: Ein kleiner Geldbeutel bedeutet nicht das Ende der Vision des nachhaltigen Reisens. Es ist vielleicht auch eine Challenge, die du für dich antreten kannst. Nachhaltig ist es zum Beispiel auch, wenn du die Bettenburgen in den Touristenorten meidest und bei Locals übernachtest. Das hat den netten Nebeneffekt, dass du die Menschen und die Kultur viel näher kennenlernst und ein Teil davon wirst. Hotels sind mir mittlerweile viel zu fremd und anonym. Ich bin gerne ein Teil von anderen Familien, das ist für mich ein Genuss den ich nicht kaufen kann. Für Backpacker ist diese Form sehr erschwinglich. Ich denke für meine nächste USA Reise im September auch gar nicht darüber nach, ob Hotel oder Übernachten bei einem Local. Ich freue mich schon die Vielfalt von New York mit den Augen eines Locals zu sehen.

Francesca: Wie versuchst Du möglichst wenig die Tier- und Pflanzenwelt zu beeinflussen?

Jessica: Ich bin immer schockiert, wie viel Müll an den Stränden angeschwemmt wird. Du hast auf deinen Reisen 2 Möglichkeiten. Entweder du ignorierst diesen Fakt oder du tust etwas dagegen. Ich nehme immer etwas Plastikmüll mit, den ich so auf dem Weg finde. Warum auch nicht? Zwar landet auch der recycelte Plastikmüll irgendwann wieder im Meer, aber den Prozess des Anhäufens an den Stränden kann man so vermeiden. Auch Zigarettenstummel haben im Sand nichts verloren und gehören in den Müll. Ich gehe gerne schnorcheln und bin oft schockiert, wie respektlos manche Urlauber mit den Riffen umgehen. Den Höhepunkt den ich in Ägypten erlebt habe, war ein absolut zerstörtes und schon versteinertes Riff in Marsa Alam. Obwohl es einen Einstieg in Wasser gab, war er den meisten Urlaubern zu weit entfernt. Der kürzere Weg führt quer über das Riff. Eine Schande. Wir können so froh sein, dass wir die Umwelt und Natur aus anderen Perspektiven sehen können und sollten alles tun um diese nicht mutwillig zu zerstören.

Francesca: Wie passt Du Dich an die Kultur des bereisten Landes an?

Jessica: Ich meide vor allem ausländische Unternehmen, wie die Burgerbuden von Mc Donalds & Co. Hier hole ich mir höchstens mal ein Getränk, wenn es wirklich nichts anderes in der Nähe gibt. Es ist doch viel schöner bei der Nahrungsbeschaffung auch den Einheimischen Aspekt einzubeziehen. Ich esse mich gerne durch die Küchen dieser Welt und habe noch nie irgendwo deutsches Sauerkraut oder ähnliches vermisst. Mein Highlight war das Scampi grillen in Teneriffa. Frische Fangfrische Meeresfrüchte, dazu ein bisschen Brot vom lokalen Bäcker, eine Flasche Wein und ein Grill. Muss ich mehr sagen?

Francesca: Wie erlebst Du, trotz nachhaltigem Reisen, Deinen Urlaubsort intensiv?

Jessica: Für mich gibt es hier kein “trotz”. Grade durch das nachhaltige Reisen spüre und fühle ich alles viel intensiver. Unabhängigkeit ist für mich ein absolut wichtiges Gefühl und grade dieses kann ich durch das nachhaltige Reisen ausleben. Mein Kopf dreht sich auch nicht um Dinge, die ich hier in Deutschland habe und schätze. Nein, ich will ein Teil der Kultur und des Kreislaufs des Landes sein. Hierbei wird dich das Reisen auch verändern und zwar positiv. Und es muss auch nicht immer die Ferne sein, oder? Deutschland ist als Reiseland sehr attraktiv. Kaum ein Land bietet so viel Abwechselung. Schluchten, Meer, Wälder … Ich bin ein Fan von Urlaub im eigenen Land!

Francesca: Welche Maßnahmen sollten vor Ort durch die Einheimischen ergriffen werden?

Jessica: Natürlich sind viele Orte touristisch sehr geprägt und das auch aus einen guten Grund. Die meisten Einheimischen in Ferienregionen leben von den Touristen. Leider färbt die lässige Mentalität dieser auch auf Einheimische ab. Wenn hier jeder nur ein bisschen mehr auf den Müll achten würde, den er produziert wäre das Verhältnis wahrscheinlich mehr im Gleichgewicht. In Strandregionen finde ich es grandios, dass Künstler aus Treibgut wahre Kunstwerke schaffen. Auch Upcycling wird immer beliebter und so wird Müll manchmal zu einem hübschen Accessoire oder einer praktischen Tasche.

Francesca: Was spricht für/gegen nachhaltiges Reisen?

Jessica: Gegen nachhaltiges Reisen spricht im Prinzip nichts. Bei großen Hotels werden Gütesiegel oder Qualitätsmerkmale auch gerne mal verfälscht, da das nachhaltige Reisen ja auch mehr oder weniger ein Trend ist. Finde über deine Unterkunft so viel wie möglich heraus oder übernachte direkt bei Locals. Es gibt überall schwarze Schafe und so versuchen natürlich auch Firmen auf den Zug aufzuspringen.

Francesca: Welche gemeinnützigen Organisationen, Plattformen, Apps und Anderes kennst Du, die sich mit dem Thema “Nachhaltige Reisen” beschäftigen?

Jessica: Die Organisation RESET informiert über innovative Lösungen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung und unterstützt Projekte die einen positiven Wandel vorantreiben. Hier findest du Tipps zum nachhaltigem Reisen aber auch anderen relevanten Themen, die mit dem Reisen in einer Hand gehen. Interessante Artikel zum Thema Plastic-Beaches oder auch Projekte zum Beispiel zum Wiederaufbau von Haiti. Das alles sind Dinge mit denen sich Reisende beschäftigen sollten.

Francesca: Welche Tipps für nachhaltiges Reisen willst Du anderen mit auf den Weg geben?

Jessica: Sei dir bitte bewusst, das wir alle auf der Welt eine gemeinsame Umwelt teilen. Nur weil du auf einem anderen Kontinent unterwegs bist, heißt das nicht, dass du automatisch den Freifahrschein zum Verschmutzen oder verwüsten hast. Denk immer an den Satz:”Würdest du das auch Zuhause in deinem Wohnzimmer machen?” Vermeide Verschmutzungen soweit es geht und benutze die Wasserflasche auch gerne 2 Mal. Wenn du doch lieber der Pauschalurlauber bist und es dich in Hotels zieht, dann überlege doch mal ob du das All-Inclusive Angebot denn wirklich brauchst. Mal abgesehen von den Abfällen, die so ein Buffet verursacht, ist es doch viel schöner durch die Straßen zu schlendern und ein schönes Restaurant zu suchen. So unterstützt du nicht nur den Hotelriesen, in dem du gerade wohnst sondern auch Locals, die ebenfalls vom Tourismus Leben. Auf meinem Blog habe ich mich vor einiger Zeit auch schon sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt und einige Tipps zusammengefasst.

Jessica, vielen Dank für deine Zeit, das tolle Interview und die vielen Tipps!


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