The Art of Travelling – 8 Arten zu Reisen

REISEINSTINKTE

Fühlst du eine Sehnsucht aus einer gewohnten, aber unbequemen Lebenssituation auszubrechen? Fühlst du dich von etwas magisch angezogen ohne recht zu wissen warum? Dann könnte es etwas mit Instinkten zu tun haben. Neben den Instinkten des persönlichen Rück-zugsraums, der Entspannung und des Nestbaus gibt es auch den Migrationsinstinkt. Reisen ist für mich Migration auf Zeit, ein Ausprobieren von Neuem, der Zauber Orte zu entdecken an denen du noch nie  zuvor warst und inspirierende Menschen zu treffen. Dein eigenes Leben zu hinterfragen indem du erlebst, dass es 1001 verschiedene Alternativen gibt: Bist du mutig genug dir diese anzuschauen? Welche Bereiche deines Lebens stehen zur Disposition, welche nicht?

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Hollywood, Los Angeles (c) GerHeartsWorld.com

Wann hast du das letzte Mal innegehalten in deiner Routine, hast die Stille gesucht, das Nichtstun und das Alleinesein ausgehalten und dich überraschen lassen, welche instinktiven Impulse tief aus deinem Inneren kamen? Vielleicht sind sie förmlich aus dir heraus gesprudelt oder es war eine ganz leise zaghafte Stimme….

WELCHE REISEART IST FÜR DICH DIE RICHTIGE?

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Rishikesh, Indien (c) GerHeartsWorld.com

Nehmen wir mal an, du hast in dir den Migrationsinstinkt auf Zeit entdeckt und auch dein Verstand liefert dir gute Gründe, warum es mal wieder Zeit für einen Tapetenwechsel ist. Dann stellt sich die Frage nach der passenden Reiseart. Ich bin als Jugendlicher und als Student ausgiebig und mit wenig Geld gereist, als Angestellter war es dann umgekehrt und als ich meinen Job gekündigt hatte, begann ich die bisher längste Reise meines Lebens und stellte alle Bereiche zur Disposition:

Wo leben?

Mit wem?

Was arbeiten?

Im Folgenden will ich aus eigener Erfahrung Anregungen geben, was es alles für Möglichkeiten des Reisens gibt.

1) PAUSCHALPAKETE – RUNDUM SORGLOS?

Die Reiseindustrie verspricht dir in bunten Rundum-Sorglos-Paketen das Blaue vom strahlenden Himmel herunter. Ich habe das nur ein einziges Mal in meinem Leben gemacht: Nach einer individuellen Indienreise wollte ich noch eine Woche auf den Malediven dran hängen. Und das ging nicht anders als pauschal: Eine Insel mit 500 m Durchmesser, wo man zwischen Sonnenaufgang und -untergang keine 5 Minuten zu laufen hatte. Gutes Essen, schöne bunte Korallenriffe, aber dennoch eine künstliche Welt aus der Retorte, die sorgsam bestrebt ist die lokale Kultur von der international austauschbaren Tourismuskultur abzuschirmen. Diese Resorts sehen überall auf der Welt gleich aus. Aber wenn du einfach ein paar Tage Sonne und Faulenzen möchtest, dann bist du hier richtig.

2) SO TUN, ALS OB DU DAZU GEHÖRST

Ein Häuschen in einem Dorf mieten: Einige Male habe ich das auf den Kanaren, Sardinien oder in Griechenland praktiziert. Ein jahrhundertealtes Haus in einem Dorf, das ansonsten nicht touristisch ist – ein bisschen suchen im Internet und schnell wird man fündig. Einkaufen im Tante-Emma-Laden, Abende in der Dorfkneipe, mit den Nachbarn ins Gespräch kommen. Hier kannst du ein Stückchen in die andere Kultur hinein schnuppern und hast doch deinen eigenen Space.

3) AFTER-WORK-TRAVEL

Messen, Kundenbesuche, Projektarbeit – weltweit fast ebenso austauschbar wie eine Pauschalreise. Und meist voll gepackt bis zum Anschlag. Geschäftsreisen lassen sich jedoch oft gut mit individuellen Entdeckertouren kombinieren, wenn man das Wochenende integriert. Nach einer Tagung in Chicago konnte ich z.B. ein Wochenende in New York City dranhängen, hatte meine Inline-Skates dabei und fühlte mich mindestens so frei wie die berühmte Statue im Hafen, als ich mit Full-Speed die 5. Avenue am Empire-State-Building Richtung Central Park herunter düste.

Travelastic - Blog Empfehlung - GerHeartsWorld

4) GASTARBEITER

Die einzige Möglichkeit wirklich in die Alltagskultur eines Landes einzutauchen. Ich lebte während meines Studiums 6 Monate in Argentinien und machte dort ein Praktikum – 22 Jahre später habe ich immer noch Freunde dort. Die dort erworbenen Kenntnisse von Sprache und Kultur haben mir beruflich enorm geholfen und ich fungierte lange Jahre als Bindeglied zwischen Deutschland und Lateinamerika. In vielen Ländern gibt es sogenannte work&travel-Programme, wo man sehr einfach ein Jahresvisum mit Arbeitserlaubnis erhalten kann. Eine tolle Möglichkeit z.B. Kanada, Australien oder Neuseeland ausgiebiger kennen zu lernen. Der Haken an der Sache: Meist gibt es ein Alterslimit, das so um die 30 liegt. Aber auch ohne Arbeitsvisum kann man über Plattformen wie workaway, helpx oder wwoofing interessante Möglichkeiten finden für ein paar Stunden Arbeit am Tag kostenlos wohnen und ggf. auch essen zu können.

5) WHEN IN ROME DO AS THE  ROMANS DO

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Travelastic Gastautor Gerhard im peruanischen Dschungel (c) GerHeartsWorld.com

Dort essen, wo die Angestellten ihre Mittagspause verbringen,  auf Märkten einkaufen, wo die Hausfrauen ihr Gemüse fürs Abendessen holen, in Cafés sitzen, wo die Alten des Ortes Karten spielen, die gleichen Verkehrsmittel benutzen. Kannst du das Freiheitsgefühl nachempfinden auf einem Motorrad im Slalom durch das indische Verkehrschaos zu “tanzen” – wie alle ohne Helm, mit T-shirt und Sandalen? Was für ein geiles Gefühl das deutsche Sicherheitsdenken hinter sich lassen und einzutauchen in den Flow, Teil des Schwarms zu sein. Oder oben auf einem LKW sitzend durch das bolivianische Dschungel-Bergland zu schaukeln? Die Welt lacht sich schlapp, dass Deutsche nachts um eins an einer roten Ampel anhalten, sogar als Fußgänger. Kannst du mitlachen?

6) DANCE LIKE NOBODY IS WATCHING YOU

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Autorenfüße in Neuseeland (c) GerHeartsWorld.com

Ein Salsakurs auf Kuba, eine neue Sportart lernen, eine verrückte Frisur oder abgefahrene Klamotten, Kochkurse, Sprachen lernen, ein Meditations-Retreat…. oder darf es ein Tantrakurs sein? Wenn du alleine unterwegs bist und dich niemand kennt, dann kannst du spielerisch neue Verhaltensweisen ausprobieren, Risiken eingehen. Niemand versucht dich in alte Verhaltensweisen zurück zu drängen, und alle Menschen denen du begegnest, sehen dich zum ersten Mal. Und wenn es allzu peinlich wird, dann vielleicht auch zum letzten Mal – du hast ja jederzeit die Freiheit einfach weiter zu ziehen. Ich habe zum Beispiel immer lackierte Fußnägel der Ladies bewundert. Auf Reisen habe ich mir dann irgendwann selber Nagellack gekauft, ein wunderbares Dunkelblau und es einfach ausprobiert. Was für ein Herzklopfen hatte ich als ich mich in der Drogerie beraten ließ und vor allem als ich das erste Mal mit blauen Nägeln draußen herum lief. Denken die jetzt alle ich bin schwul? Eingetreten ist das Gegenteil: Ich bekam nette Komplimente von Frauen und hatte einige anregende Flirts 😉

7) GLEICHGESINNTE SUCHEN

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Gesehen in Neuseeland (c) GerHeartsWorld.com

Spielst du gerne Volleyball, fährst Inline-Skates, tanzt gerne? Hast vielleicht auch du richtig ausgefallene Hobbies (Hinterlasse deine Hobby in den Kommentaren – Inspiration ist immer gut)? Kein Problem über social media auch in der Ferne Menschen zu finden, die die gleichen Leidenschaften und Interessen teilen. Das hat den Vorteil, dass du Dinge machst, die dir vertraut sind und dir Spaß machen und du lernst darüber Einheimische kennen. Egal wo ich war: Ich bin immer freundlich aufgenommen worden und konnte interessante Kontakte knüpfen.

8) INNERE REISE

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spirituelle Zeremonie in Pushkar, Indien (c) GerHeartsWorld.com

Eine Möglichkeit zu reisen ohne den Heimatort zu verlassen, weil dir vielleicht der Job oder soziale Verpflichtungen nur wenig zeitlichen Freiraum lassen. Mach dich auf Selbstendeckungsreise, besuche Seminare, meditiere, probiere ob an esoterischen Methoden nicht vielleicht doch was dran ist! Ich habe das viel gemacht, nachdem mein Job mich auf nur noch 6 Wochen Reisezeit reduziert hat und es hat mich enorm weiter gebracht. Es muss ja nicht gleich die Reise durch veränderte Bewusstseinszustände mit Schamanen im Amazonasgebiet sein, auch wenn ich persönlich auch damit gute Erfahrungen gemacht habe….

Welche Erfahrungen ich persönlich mit den verschiedenen Arten des Reisens gemacht habe, kannst du in meinem Blog lesen.

Wohin ziehen dich deine Instinkte?


4 Gedanken zu „The Art of Travelling – 8 Arten zu Reisen“

  1. was für eine höchst begrenzte Ansicht von Pauschalreise. Auch wenn ich eine Studienreise buche, ist es eine Pauschalreise. Dagegen kann ich eine Woche Ballermann individuell buchen.

    “Pauschalreise” heißt – laut Duden – nur: “Reise, bei der die Kosten für Fahrt, Unterkunft, Verpflegung u. a. pauschal berechnet werden”. Das heißt bei weitem nicht, dass man in einer künstlichen Welt lebt oder nur am Strand rumliegt und “einfach ein paar Tage Sonne und Faulenzen” hat. Du kannst genauso eine Pauschalreise buchen, bei der du den Kilimanjaro besteigst oder in einem Dorf in den Anden lebst.

    LG, Ilona

    1. Danke Ilona für deinen ergänzenden Kommentar! Ich habe die Pauschalreise bewusst etwas plakativ “schwarz/weiss” beschrieben, um sie deutlicher von den anderen Reisearten abzugrenzen. Aber du hast Recht: Es gibt auch “farbige” Pauschalreisen.
      Grundsätzlicher Unterschied zur individuellen Reise ist jedoch, dass du vorher ein definiertes Paket buchst und dich vor Ort nicht mehr um Orga kümmern musst.
      Für mich ist jedoch dieses Reisen ins Ungewisse, das Mich-Durchschlagen, dieses Nichtverplante, der Aspekt, wo sich die Magie des Reisens erst richtig entfalten kann.
      Schöne Reisen wünsche ich dir – auf welche Art auch immer….!

  2. Ein wirklich toller Beitrag. Ich bin jetzt seit knapp vier Monaten allein mit Junior unterwegs und geniesse es sehr. Wir reisen low budget und sind dank couchsurfing und voluntieren immer mittendrin in der kultur. Manchmal laesst es sich nicht arrangieren und wir versuchen dann in einem Homestay oder einem kleinen Guesthouse unterzukommen, die oft auch von Locals geführt werden. Ganz besonders gut gefällt mir dein letzter Punkt mit Meditation und Co.

    1. Hi Stephie,
      danke für deinen Kommentar! Schön zu lesen, wie es dir gelingt wirklich “mittendrin” zu sein. Nach meiner Erfahrung ist es oft ein Vorteil mit geringem Budget zu reisen: So ist man quasi “gezwungen” näher an der lokalen Kultur zu reisen. Und die besten Erfahrungen sind ohnehin die Begegnungen mit anderen Menschen und mit sich selber – und sowas kann man nicht für Geld buchen!
      Weiterhin eine tolle Entdeckungsreise wünsche ich dir!

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